So, nachdem ich jetzt einige Zeit mit dem Bloggen etwas faul war, hab ich jetzt das Problem, möglichst viel in einen Eintrag zu packen, ohne dass es zu lang wird... Also, dann wollen wir mal. Im Februar war viel los, deswegen unterteile ich diesen Eintrag ein bisschen.
Invicta und Outlawed - das Sport- und Musikfest
Am zweiten Februarwochenende gab es gleich zwei Events an unserer Uni (die normalerweise an zwei Wochenenden stattfinden, dieses Jahr hat es aber an Sponsorengeldern dafür gefehlt): Einmal “Invicta”, ein Sportfest, an dem Unis aus ganz Indien teilnehmen, und “Outlawed”, ein allgemeines Fest der Uni mit diversen Spielen und anderen Veranstaltungen sowie vor allem einem mehrtägigen Konzert.
Besonders schön daran war, dass ich zu diesem Anlass Besuch bekommen habe: Qaiss, mein Kommilitone aus Freiburg, den es hier an eine andere National Law School in Jodhpur verschlagen hat, ist zusammen mit der Fußballmannschaft seiner Uni angereist, um gegen die anderen Colleges anzutreten. Mit Qaiss als meines Erachtens klar besten Spieler haben sie es immerhin auch in die zweite Runde geschafft (die gleichzeitig Halbfinale war), unser Team hat das nicht hinbekommen. Leider war Qaiss an dem Wochenende krank und sonst mit Fußball beschäftigt, so dass er nicht viel von der Stadt sehen konnte. Am Samstagabend haben wir es immerhin in eine Disco hier geschafft (nachdem die Jodhpur-Leute alles andere als Entscheidungsfreudigkeit demonstriert haben... was für ein Akt!), außerdem kommt er im März auch noch zusammen mit Matthias aus Bangalore, der wiederum von unserem Ex-Kommilitonen Christian besucht wird, wieder.
Ansonsten hat sich unsere Uni in dem Sportfest gar nicht schlecht geschlagen. Vor allem unsere Damen haben einiges gewonnen. Ich selbst habe immer mit angefreuert (wobei sich beschwert wurde, dass ich das nicht lautstark genug gemacht habe...) und im großen Stadion hier um die Ecke immerhin am 3000-Meter-Lauf teilgenommen. Den hab ich aber nur im Mittelfeld beendet. Aber dabeisein ist ja alles ;)
Außerdem habe ich einen Sonnenbrand bekommen, den die dunkelhäutigen Inder natürlich kollosal lustig fanden. Nachdem sie irgendwann festgestellt haben, dass ich “rosa” (pink) bin und mir Smriti schon einen Becher mit einem Schweinchen drauf geschenkt hat, wurde mir dann gesagt, dass ich dank der Sonne eher wie ein Schinken aussehen würde. Aber immerhin bekommt meine Chamäleon-Haut fast genauso viel Aufmerksamkeit wie Pauls Glatze!
Das Musikfest war wiederum sehr schön. Es gab einen “Battle of the Bands”, den ich aber größtenteils nicht mitbekommen habe. Dafür spielten abends speziell eingeladene Bands, die sich von Abend zu Abend gesteigert haben. Auch die Band eines Kommilitonen selbst war vertreten. Fotos gibt es - ebenso wie vom Sportfest - in dem Galerieordner “Viel los im Februar”.
Saraswati Puja
Auch in dem Ordner verteten ist Saraswati Puja - das Fest der hinduistischen Göttin des Lernens. An dem Feiertag haben sich die Inder alle sehr chic angezogen und ich habe mich auch mal wieder in meine “Kurta” geschmissen - das lange, dünne indische Hemd, das ich von Smriti und Shubho zu meinem Geburtstag bekommen hatte. Für das Fest wurde ein Götzenbild der Göttin aufgestellt, vor dem die (gläubigeren) Kommilitonen meditiert haben und ihm einige Gaben gegeben haben - das heißt, Essen, vor allem Reis und Obst. Zum Mittagessen gab es dann ein Festtagsessen, wobei ich mir die Namen der Gerichte immer nur selten merken kann. Auf jeden Fall hab ich mal alles ganz indisch mit den Fingern gegessen, was ich mittlerweile auch ganz gut kann - zwar nicht immer mache, aber irgendwie hat das was, wie ich finde!
Achja, an dem Tag habe ich auch erfahren, was eine Tätanus-Impfung in Indien kostet. Eine Kommilitonin hatte sich am Fuß verletzt und musste sich ne Spritze abholen. Ganze 40 Rupien - weniger als ein Euro - für Impfstoff plus Arztkosten. Das lass ich jetzt einfach mal unkommentiert so stehen...
Zwei Tage nach dem eigentlichen Fest wurde das Götzenbild dann feierlich zu Wasser gelassen. Alle männlichen Studenten, die wollen (für Frauen soll das, so die Erklärung, zu wild sein...) schwingen sich zusammen mit dem Götzenbild (bzw. “Idol”) auf zwei Lastwagen, bzw. deren Ladeflächen, um dann durch die Stadt zusammen mit anderen Gläubigen (bzw. denen, die einfach feiern wollen) an den Ganges zu fahren und das Götzenbild dort zu Wasser zu lassen. Das war schon eine sehr lustige Erfahrung, zumal ich inmitten dieser Masse als einziger Weißer wieder sehr aufgefallen bin ;)
Kurzfilmfest
Nicht viel zu sagen gibt es zu dem “Kurzfilmfest” der letzten Woche, das aber trotzdem erwähnenswert ist, weil ich es sehr schön finde, wie auch so eine kleine Uni immer wieder schöne Veranstaltungen organisiert: Anuj und einige andere haben eine gute Soundanlage, Videobeamer und eine Leinwand organisiert und abends im Uni-Innenhof einige europäische Kurzfilme, darunter auch ein paar Deutsche gezeigt. Teilweise sehr skurrile, teilweise auch sehr lustige Sachen, aber insgesamt sehr unterhaltsam. Ich werd einen der Jungs nochmal nach ner Liste der Filme fragen, damit ich mir sie in Deutschland vielleicht nochmal ansehen kann.
Noch eine indische Hochzeit
Am letzten Wochenende hatte ich dann noch einmal die Ehre, eine indische Hochzeit zu sehen. Nachdem ich dank Shubho ja schon eine Bengali-Hochzeit erleben durfte, hat mich dieses Mal Kavana aus Bangalore eingeladen, zur Hochzeit ihrer Schwester zu reisen. Das war dann eine Mischung aus einer südindischen und einer Bihari-Hochzeit - der Bräutigam stammt aus Bihar. Dummerweise bin ich so just an dem Wochenende nach Bangalore gereist, an dem Matthias gerade für ein paar Tage in Bombay war, allerdings kommt er ja im März und im April werd ich dann selbst nochmal in Bangalore sein.
Nun, ich bin Freitag”morgens” (um 4 Uhr) in Kalkutta los - ohne geschlafen zu haben, ich dachte, das sei vielleicht letztendlich besser, als nach drei, vier Stunden schon wieder aufzustehen. Hab den Tag letztendlich gut überstanden, aber ich glaube, etwas Schlaf vorher wäre doch gut gewesen. Nunja, auch um vier Uhr fahren noch Taxen auf Kalkuttas Straßen rum (musste also keins vorher reservieren), nur bekam ich mit 220 Rupien einen zu hohen Preis - man kann wohl für 150 Rupien zum Flughafen kommen, zuerst schien es so, als wollte der Fahrer mich mit Taxameter dahin kutschieren, dann meinte er aber, NACHDEM ich eingestiegen war, dass es 280 Rupien kosten würde. Hab dann mit “150!” versucht, ihn runterzuhandeln, meinte dann kurz “okay, then stop”, das hat ihn aber nicht interessiert und er bot mir 220 Rupien an - war mir dann zu blöd, mich um die Zeit noch zu streiten, also hab ich’s sein lassen.
Fliegen ist in Indien, wie gesagt, genauso angenehm wie in Europa, und von daher war der Flug mit “SpiceJet” auch gar keine schlechte Sache. Zweieinhalb Stunden dauert’s nach Bangalore, und wenigstens diese Zeit habe ich dann auch schlafend verbracht. In Bangalore selbst hab ich mir dann ein “Prepaid Taxi” besorgt (ist zwar etwas teurer, dafür aber ein Fixpreis) und bin damit dann zu Kavanas Haus gefahren - wobei der Taxifahrer die Straßen gar nicht kannte und von Kavana, ihrer Schwester und ihrem Vater telefonisch instruktiert werden musste.
Kavanas Haus war schon gut mit Hochzeitsgästen gefüllt, gerade wurden einige Fotos gemacht. Von mir müdem und ungeduschten weißen Besucher wurde auch ein Gruppenfoto gemacht, das habe ich aber selbst noch nicht bekommen. Ich bin - wie immer in Indien - mehr als freundlich empfangen wollen, alle waren wieder an mir interessiert und wollten wissen, woher ich genau komme, was ich in Indien genau mache, wie mir Indien gefällt usw. Manchmal können diese wiederkehrenden Fragen schon etwas anstrengend sein, aber gleichzeitig fühlt man sich überall gleich wohl, wenn man mit Leuten sofort ins Gespräch kommt.
Da ich es geschafft hatte, meine Hochzeitskleidung - ganz so chic muss man auf indischen Hochzeiten nicht herumlaufen, aber wenigstens eine ordentliche Hose und ein Hemd wollte ich schon anziehen, wo ich hier schon keine ordentlichen Schuhe habe - zwar säuberlich in eine Tüte einzupacken, dann aber eine andere Tüte mitzunehmen, musste ich mir vor Ort erstmal noch Hose und Hemd besorgen. Das war aber kein Problem, weil Kavana und ihre Cousinen (von denen eine in Cupertino, Kalifornien wohnt - die heilige Apple-Stadt!!!) auch noch ein paar Sachen besorgen mussten. Für rund 30 Euro konnte ich mich dann mit Hose, Hemd (nix Billiges, Marke “Arrow”!) und Gürtel einkleiden. Die Hose wurde auf meine genaue Beinlänge zurechtgeschnitten - im Preis inbegriffen.
Gewohnt hab ich an dem Wochenende an dem Ort, an dem auch die Hochzeit ist - ein großer Tempel-Komplex für den Gott Krishna, wo es auch eine Art Gästehaus gibt. Ein Zimmer für mich alleine!
Die Hochzeit hat damit angefangen, dass der Bräutigam vom Ort der Hochzeit erst einmal mit seiner Familie zusammen ausgezogen ist, um dann mit denen zusammen mit viel Musik an den Ort der Hochzeit zurückzukehren. Das ist ein nordindischer Brauch, also ein Bihari-Teil der Hochzeit. Traditionell hat er auf einem weißen Pferd zu reiten, in Städten ersetzt man dieses aber heute mit einem weißen Auto. Seine Familie tanzt dann zu der Musik vor ihm her - ich war zusammen mit zwei Cousins von Kavana mit vor Ort, hab zwar (entgegen der Forderungen der Verwandten) nicht mitgetanzt, aber trotzdem an dem Zug selbst teilgenommen, auch wenn ich eigentlich Gast der Braut war. Aber die Fotos und Videos wollte ich dann doch bekommen! Diesen Teil gab es bei der Bengali-Hochzeit schonmal nicht. Am Ort der Hochzeit angekommen wird der Bräutigam dann von der Familie der Braut begrüßt, bevor er dann in das Zimmer der Trauung einzieht.
Wie auf den Bildern in meinem Album unschwer zu erkennen ist, hat es sich bei dieser Hochzeit um eine wesentlich aufwändigere Feier gehandelt als meine erste indische Hochzeit. Die Lokalität der Bengali-Hochzeit war das Veranstaltungszimmer eines Hotels (glaube ich), hier war es der Saal eines riesigen Tempels, in dem alles - Inneneinrichtung, Möbelierung usw. - wesentlich chicer war. Die Zeremonie selbst war vom Grundablauf her aber ähnlich: Zuerst ist nur der Bräutigam zusammen mit dem Priester anwesend, die Braut kommt dann später dazu. In diesem Fall wurde sie aber nicht hereingetragen, sondern kam eigenständig herein. Das Hereintragen ist ein rein bengalischer Brauch.
Nachdem die Braut (sie heißt übrigens Kaavya, der Bräutigam Amaresh) dazu gekommen war, ließen sie sich erst einmal von allen Gästen begrüßen und nahmen Geschenke entgegen. Da hat sich dann gleich erstmal eine riesige Schlange gebildet - es waren immerhin gut 350 Leute da. Nach der Übergabe und dem Abendessen ist dann ein nicht unbeachtlicher Teil der Gäste auch bald schon wieder gegangen! Offenbar hatten viele nicht so viel Zeit, oder waren es nicht gewöhnt, so spät zu Hochzeiten zu gehen, denn in Karnataka (der Staat, in dem Bangalore liegt) finden Hochzeiten eher am späten Morgen bzw. frühen Nachmittag statt. Fand ich etwas schade, aber einige sind ja doch geblieben.
Das Essen war übrigens hervorragend - an dem ersten Abend gab es nordindisches Essen, am Tag danach (da war dann noch die “Wedding Reception”) gab es wieder Südindisches, wie auch schon beim Mittagessen bei Kavana und Kaavya zu Hause am Hochzeitstag selbst serviert auf Bananenbaumblättern, was mir noch besser gefallen hat. Auch wenn ich am Hochzeitstag mehr gegessen habe, am Tag danach war dann gar nicht mehr so viel Platz... Aber an solchen Anlässen darf man sich ja auch mal was gönnen!!
Im Anschluss verlief die Hochzeit ähnlich wie die bengalische, und die Bilder sind da wahrscheinlich besser als eine Beschreibung. Einige Unterschiede gab es, so war zum Beispiel der Gang ums Feuer wesentlich kürzer - dafür aber wesentlich komplizierter, denn die Braut ging vorm Bräutigam, der von hinten mit ihr zusammen ein paar heilige Gaben festhalten musste, während hinter der Braut wiederum der Cousin herlief, der auch Reis (glaube ich) gestreut hat und gleichzeitig aufpassen musste, dass der Bihari-Hochzeitshut des Bräutigams (der noch etwas lustiger als die bengalische weiße Mütze aussah) nicht abfällt. Auch, wenn der Feuerlauf eigentlich sehr wichtig und feierlich ist, haben dann erstmal alle gelacht - inklusive bzw. gerade die engsten Verwandten des Paares, und auch das Paar selbst!
Da die beiden die Hochzeitszeremonie selbst durch ein Abendessen und die Geschenke-Entgegennahme unterbrochen hatten, war die Hochzeit erst sehr spät zu Ende - gegen 2 Uhr morgens. Ich selbst war dann mittlerweile doch recht müde und bin dann, nachdem ich mich mit ein paar Gästen noch etwas unterhalten habe, quasi in mein Bett gefallen.
Am nächsten Tag gab es dann wie gesagt noch einen Empfang für weitere Gäste mit Mittagessen, am Nachmittag hab ich mich dann noch mit Kavana und ihren Cousinen gut bei ihnen zu Hause unterhalten - unter anderem mit einem spontan-lustigen Handtücher-gegen-den-Kopf-werfen-Spiel und einem Besuch in einem indischen Starbucks-Verschnitt. Kavana musste am nächsten Morgen schon früh abreisen, mein Flug zurück nach Kalkutta ging erst später. Also konnte ich mir morgens noch den Tempel selbst ansehen - unheimlich pompös und beeindruckend, alles blitzblank sauber. Da der Tempel offenbar oft sehr viele Besucher kommt, erinnerten Teile an Disneyland - damit sich alle ordentlich anstellen, waren Reihen mit Metallgeländern abgetrennt. Allerdings war an dem Tag weniger los, so dass ich relativ ruhig und ohne Warten durch den Tempel gehen konnte. Fotos konnte ich keine machen, was sehr schade ist, und vor allem Videos wären schön gewesen: Im Haupttempel selbst fand gerade eine Art “Gottesdienst” statt, wo gut 100 Gläubige sehr eindrucksvoll getanzt und “Hare Krishna” gesungen haben. Außerdem gab es im Tempel selbst noch gutes, feierliches Essen, das ich dann als Frühstück nutzen konnte.
Mittags bin ich dann nochmal zu Kavanas Eltern, die mich noch zum Mittagessen eingeladen haben, das Kavanas Onkel gekocht hat. Davor und danach habe ich mich noch nett mit ihrer Familie über das Unileben in Deutschland und Indien, Indien selbst (vor allem meine bevorstehende Reise) und Cricket (das doch nicht ganz so langweilig ist, wie es zuerst wirkt - es lief gerade ein Spiel) unterhalten. Dann habe ich noch als Andenken ein kleines Geschenk, eine kleine Elefantenstatue bekommen. Dabei hätte ich eigentlich eher meinen Gastgebern was schenken können, wie ich finde... Wie dem auch sei, so ging ein tolles Wochenende zu Ende, das dann noch durch einen guten Rückflug abgerundet wurde. Und für die Rückfahrt konnte ich den Taxifahrer auf sehr akzeptable 180 Rupien herunterhandeln. Kaavya und Amaresh, das neue Brautpaar, hab ich dann am Montag noch zum Mittagessen in Kalkutta wiedergetroffen - da sie Amareshs Eltern zu einem weiteren Empfang in Bihar besuchen, sind sie noch in Kalkutta vorbeigekommen.
Das war’s für dieses Mal. Die Uni neigt sich langsam dem Ende zu, am 8. März werd ich dann noch eine Klausur schreiben, bevor alles vorbei ist. Dieses Wochenende besuche ich Dominic an seiner Uni in Hyderabad, am Wochenende danach besucht er mich dann hier in Kalkutta. Und dann kommen am 11. März schon Matthias, Christian, Qaiss und Felix, bevor ich die Stadt dann am 14. März verlassen. Leicht wird mir das nicht fallen - nach einem gewissen Heimweh zur Weihnachtszeit rum bin ich die letzten Wochen schon sehr traurig, dass zumindest die Zeit in Kalkutta (dann steht ja noch die einmonatige Rundreise an) so bald schon vorbei ist. Aber es wird ja sicher nicht mein letzter Besuch in Indien sein... Und einige Freunde besuche ich ja auch noch in Delhi, Bombay und Bangalore (wo die meisten ihre Praktika absolvieren)!
22:02 Uhr, 26.02.2008